Akai Synthstation 49 im Test – Mit dem iPad ins Studio

Mittlerweile ein Jahr habe ich nun mein iPad 3. Generation und im Laufe der Zeit haben sich auch einige Musikapps angesammelt. Mehr als ein abendlicher Zeitvertreib war es aber nie. Einige Apps klingen allerdings wirklich ausgezeichnet und so begab ich mich auf die Suche nach einem Weg das iPad fest in meinen Workflow zu integrieren.

Mittlerweile ist der Markt mit Apple-Zubehör ziemlich überschwemmt, nahezu jeder Hersteller hat etwas kompatibles dafür im Programm: Keyboards, Audio Interfaces, Mikrofone, und so weiter und so weiter. Allerdings sind nahezu alle Produkte auf den mobilen Einsatz ausgelegt. Ich dagegen möchte das iPad mehr wie einen Hardware Synthesizer einsetzen und suchte daher nach einem Keyboard und einer Möglichkeit den Sound in mein Mischpult zu bekommen.

Die Problematik

Und genau an dieser Stelle wurde es haarig: Alle Keyboards, die ich fand belegten den Dock Connector des iPad, entweder mit passendem Stecker oder man benötigt das Camera Connection Kit. Nun, wer das iPad kennt, hat sicherlich schon festgestellt, dass der Kopfhörer-Ausgang extrem leise ist. Es bleibt also nur der Weg über den Dock Connector um das Audiosignal in einer brauchbaren Lautstärke in den Rechner zu bekommen.

Die Lösung: Akai Synthstation 49

Eine brauchbare Lösung versprach nur die Akai Synthstation 49, die den Dock Connector nicht nur zum Verbinden des Keyboards nutzt, sondern gleichzeitig zwei 6,35mm Klinken-Stereo-Ausgänge bietet. Zusätzlich lässt sich das Keyboard per USB auch als Midi Controller am Computer nutzen. Die dazugehörige Synthstation App lässt sich für 1,79 Euro aus dem App Store herunterladen. Handelt es sich hier wirklich um die eierlegende Wollmichsau? Die technischen Details lesen sich wie folgt:

  • 49 anschlagsdynamische Tasten
  • 9 hintergrundbeleuchtete LPD-Style Drumpads
  • Transporttasten für Rewind, Stop, Play, Fast Forward und Record
  • Pitch- und Modwheel
  • Sustrain-Pedal Anschluss
  • Hotkey-Tasten zur Steuerung der Synthstation App
  • Eingebautes Dock mit einstellbarem Winkel für iPad 1,2 und 3. Generation (iPad 4 kann laut Akai per Adapter genutzt werden)
  • Netzadapter, durch den das iPad im Betrieb geladen wird
  • Kopfhörer-Ausgang
  • Volume Regler

Gehäuse

Das Gehäuse aus schwarzem Kunststoff misst 740x320x100 mm, wiegt nur 4,8kg und macht einen guten Eindruck. Die Verarbeitungsqualität ist vergleichbar mit der teureren MPK-Serie von Akai.

iPad Halterung

HalterungMit der iPad Halterung lässt sich das iPad stufenlos im Winkel verstellen. Der ausklappbare Ständer auf der Rückseite bewahrt das iPad vor dem Absturz nach hinten und rastet in zwei Winkelposition fest ein. Aber auch ohne den Ständer ist die Halterung fest genug um auch einem festeren Tippen auf dem Touchscreen genug Widerstand zu leisten. Beim Einschieben des iPads in die Halterung ist allerdings Vorsicht geboten und es erwies sich zeitweise etwas fummelig. So richtig sauber wollte das iPad nie passen. Schiebt man es ein hängt es minimal schräg in der Halterung und schließt nicht ganz bündig ab sondern liegt mehr mit der rechten unten Kante auf. Ein kleines Stück Styropor behob das Problem. Zusätzlich liegt eine Adapterplatte bei, wofür diese genau ist, bleibt mir aber ein Rätsel (vielleicht für das iPad Mini?). Einen Pluspunkt gibt es für die Ladefunktion: Schließt man das mitgelieferte Netzteil an wird das iPad mit Strom versorgt. Ein leerer Akku stellt also bei längerem Einsatz oder live auf der Bühne kein Problem dar.

Klaviatur

TastenDie Tasten sind etwas dünn geraten, aber relativ leise und nicht klapprig. Trotzdem hatte ich anfangs ein etwas mulmiges Gefühl wenn ich mal etwas kräftiger in die Tasten haute. Ein Minus gibt es für die “Anschlagsdynamik”, welche gefühlt nur drei Velocity-Stufen hat: 0, 30 und 127 – also stumm, leise und volle Lautstärke. Ich bin kein Konzertpianist, aber ich habe lange keine solch leblosen Pianoparts eingespielt wie mit dieser Tastatur. Pitch- und Modwheel sind dagegen schön griffig gummiert und lassen sich gut bedienen.

Drumpads

DrumpadsDie neun Drumpads im LPD-Style sind erstklassig und im Gegensatz zur MPK-Serie bricht man sich nun nicht mehr die Finger um den Pads einen Ton zu entlocken. Ganz im Gegenteil: Sie fühlen sich wirklich toll an und lassen sich fast so gut wie eine MPC oder Maschine spielen.

Volume-Regler,Transportfeld und Hotkey-Tasten

Transport und HotkeysDer Volume-Regler ist griffig und erfüllt seinen Zweck. Die Transport und Hotkey-Tasten fassen sich gut an und reagieren schon bei geringerem Druck. Über die Hotkey-Tasten lassen sich die verschiedenen Instrumente und Pattern in der Synthstation App anwählen und mittels der Transporttasten aufnehmen und abspielen. Gerade hier zeigt sich viel verschenktes Potential. Zwar lassen sich die Tasten für andere Apps ummappen, jedoch sind sie nur in der Akai eigenen App zu gebrauchen. Wie sehr wünsche ich mir statt der überflüssigen Hotkeys ein paar Drehregler die ich in anderen Apps mappen kann. Denn ob ich nun auf das Display tappe oder eine Taste drücke macht nun wirklich keinen Unterschied. Könnte ich aber Software-Parameter, die in meiner favorisierten App zwei oder drei Screens weiter liegen auf einen Drehregler mappen, hätte ich einen echten Nutzen. Da haben die Akai-Produktdesigner nicht zu Ende gedacht. Ein Keyboard nur auf eine App auszulegen ist bei dem rasanten Tempo, wie sich der App-Markt entwickelt einfach nicht zeitgemäß.

Synthstation als Midi-Controller am Computer

Verbindet man die Synthstation via USB mit dem Computer hat man ein vollwertiges Midikeyboard. Die Midi-Daten werden dabei gleichzeitig an das iPad und den Computer gesendet, das heißt um seine Instrumente im PC zu steuern, muss man die Lautstärke an der Synthstation runterdrehen. Ein umstecken oder entfernen des iPads aus der Halterung ist nicht nötig. Ein Pluspunkt dafür.

Synthstation App

Bei der App halte ich mich kurz: Sie kann mich nicht überzeugen. Die Drumsounds sind noch das Beste aber selbst da gibt es Gratis-Apps die besser klingen. Die Synths verlieren im Vergleich zu den (zugegebenermaßen teureren) Apps wie Animoog oder iMini haushoch. Da ist auch der Preis von nur 1,79 Euro kein Kaufargument.

Rückseitige Anschlüsse

AnschlüsseAuf der Rückseite befinden sich die zwei 6,35mm Stereoausgänge, ein Anschluss für ein Sustain-Pedal, der Anschluss für das Netzteil, die USB-Buchse, ein 3,5mm Kopfhörer-Ausgang sowie die Power-Taste. Leider machten die Anschlüsse nicht den hochwertigsten Eindruck. Gerade das Verbinden der Kabel mit den Stereoausgängen klingt besorgniserregend knarzig und ich frage mich wie lange die Buchsen ein ständiges Ein- und Ausstöpseln mitmachen werden (gerade beim mobilen oder Liveeinsatz). Das wird aber wohl erst ein längerer Praxistest zeigen.

Fazit

Die Akai Synthstation 49 hat Licht- und Schattenseiten. Positiv zu bewerten ist zunächst einmal das Konzept, dass es bisher noch von keinem
anderen Hersteller gibt und dem iPad einen festen Platz im Studio und auf der Bühne sichern kann, auch durch die Ladefunktion im Netzteilbetrieb. Ebenso wissen die Drumpads zu überzeugen und lassen sich hervorragend spielen. Weniger gut ist Limitierung auf die Akai-eigene Synthstation App. Mit frei zuweisbaren Drehreglern statt der überflüssigen Hotkeys hätte die Synthstation richtig punkten könnten. So liegt ein Großteil der Tasten brach, nutzt man seine gekauften Apps anderer Hersteller. Auch der hakelige iPad Anschluss und die Qualität der Tastatur (besonders die schlechte Anschlagsdynamik), sowie die Verarbeitung der Steckerbuchsen könnte besser sein. Trotzdem wird die Synthstation ihren Platz in unserem Studio finden. Insgesamt vergeben wir 3,5 von 5 Sternen.

Plus

  • (noch) konkurrenzloses Konzept
  • Keyboard-Controller mit Audio-Ausgängen
  • stabile iPad-Halterung
  • als Midikeyboard am Computer nutzbar
  • Ladefunktion im Netzteil-Betrieb
  • gut spielbare Drumpads
  • griffige und gut reagierende Taster

Minus

  • knarzige Buchsen
  • Schlechte Anschlagsdynamik
  • fast alle Hotkeys überflüssig in anderen Apps
  • Synthstation App



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Preis: 159,- Euro
Synthstation App: 1,79 Euro

Mehr Infos

Titelbild: © Akai Pro

Mike

Hey there! I'm a music technologist, beat maker, qa tester, sound designer, tutor and ux designer from Germany. Also I'm one of the hosts of The Producer's Hangout YouTube show.

Comment (1) Write a comment

  1. Hi,

    Der Adapter der mit bei der Synthstation49 liegt ist für das iPad2 bzw. iPad3 !
    Wenn der mittig in die Aufnahme für das iPad geklebt wird dann liegt das iPad auch gerade drinn 🙂
    Dazu sollte man auch wissen das die Synthstation ohne den beiliegenden Adapter für das Dickere iPad1 ausgelegt ist. (ich hoffe das klärt nun deine Frage nachdem “Wofür der adapter ist erschliesst sich mir nicht”)

    Schade (und zwar EXTREM Schade) finde ich auch das leider KEIN Audio eingang verbaut wurde den der währe bei der App VoiceSynth mal richtig geil gewesen und hätte die Synthstation49 zu meiner bevorzugten Hardware für alle Vocoder anwendungen gemacht.

    Trotzdem ist dieses Akai Produkt schon richtig geil (vor allem wenn man anstatt eines Software Synths eine DAW Controler app wie z.b. Lemur, Midistudio oder Touch OSC benutzt – Reason z.b. lässt sich damit wunderbar Steuern und endlich ist mann frei von Tastatur und Maus)

    Für mich gehört die Synthstation49 genauso wie mein Akai EWI Usb zu den Top geräten in meinem Studio, allerdings würde ich mir einen Passenden Adapter für mein iPad Mini mit Retina Display wünschen da bei diesem die Rechenleistung deutlich höher ist als bei meinem iPad2.

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